Journalismus // floomagazin
AI-Generiertes Bild

Warum Qualitätsjournalismus so wichtig ist

floo.Kurzfassung:

  • Journalismus ist ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Demokratie
  • Er soll konstruktiv aufdecken, erklären und Sachverhalte kontextualisieren
  • Niemand weiß alles – Journalismus ist das nötige Werkzeug, damit Mensch lernen kann

Maximilian Reinisch
Servus, ich hoffe ihr habt einen schönen Tag. Dieser Artikel über Journalismus und warum wir konstruktiven Journalismus brauchen, spricht auch über die Gründe, warum wir dieses Magazin ursprünglich ins Leben gerufen haben und wieso es uns so am Herzen liegt, über die österreichische Politik zu schreiben. Viel Spaß beim Lesen!

Journalismus // floomagazin

Berichterstattung hat in letzter Zeit und besonders in den vergangenen Jahren eine starke Veränderung durchgemacht. Während das Internet noch viele Menschen und den Journalismus verwirrt, kamen mit der Corona-Pandemie und dem neuesten Aufkommen von AI in kürzester Zeit mehrere schwierige Herausforderungen auf den Journalismus zu.

Qualität im Journalismus - Filterung der Informationsflut
Hinweis: Alle Bilder in diesem Artikel sind AI-Generiert // Qualität im Journalismus

In einem Zeitalter, wo fast alle Informationen mit wenigen Knopfdrücken zur Verfügung stehen, kommt hin und wieder die Frage auf, inwiefern es noch guten Journalismus benötigt? Gerade in Österreich, wo durch Message Control der Politik oder diverse Chat-Affären das Vertrauen in unabhängige Berichterstattung immer wieder unter Beschuss steht – und dies auch zurecht.

Qualitätsjournalismus ist jedoch nötig für eine funktionierende Demokratie. Eine konstruktive Meinungsbildung hilft allen von uns und vor allem denen, die benachteiligt werden.

Was ist Journalismus?

Früher war es noch wesentlich einfacher, Journalismus zu definieren. Journalist:innen sammelten und berichteten über Nachrichten und Geschichten, welche sie als nachrichtenwürdig empfanden. Die Nachrichten mussten von den Journalist:innen gesucht werden oder wurden an sie herangetragen. Nun befinden gab es noch keinen krassen Paradigmenwechsel, aber zu sagen, dass sich der Journalismus in einer gewissen Umbruchphase befindet, könnte ganz gut auf die derzeitige Situation zutreffen.

Journalismus heutzutage beschäftigt sich mit dieser Nachrichtenflut und versucht, darin die Geschichten zu finden, die relevant für ihr Publikum sind. Neben diesem Finden und Aussuchen der Nachrichten spielt die Kontextualisierung der Geschichten eine wichtige Rolle.

  • Wie Nachrichten zu verstehen sind und
  • Wo sich Nachrichten politisch einordnen lassen

sind Fragen, die Journalist:innen für das Publikum beantworten sollten. Auch eine zweite Meinung einzuholen und gegensätzliche Standpunkte gegeneinander aufzuwiegen – um Fake News und Meinungsbehaftete Berichterstattung zu vermeiden – sind wichtige Aufgaben von Journalist:innen.

Qualität im Journalismus - Informationsmaschine
Qualität im Journalismus // Informationsflut

Framing, Agenda Setting & der ORF

Kurzer kommunikationswissenschaftlicher Exkurs: Framing und Agenda Setting sind zwei Theorien der Journalismusforschung, welche sich mit der Rahmensetzung im Journalismus beschäftigen.

Kurz gesagt: Framing beschreibt dabei die Rahmensetzung einer Geschichte. Über welche Aspekte einer Geschichte wird berichtet, welche werden hervorgehoben und welche werden weggelassen. Die Agenda Setting Theorie beschreibt, dass Medien gezielte Themenschwerpunkte setzen.

Diese Themenschwerpunkte können sehr banal sein: Ein Magazin, das als Schwerpunkt Autos hat, wird beispielsweise nicht plötzlich über Gitarren berichten. Soweit alles gut. Agenda Setting betrifft jedoch nicht nur die generellen Themenschwerpunkte, sondern auch die politische Agenda und die Auswirkung, die diese auf ein Medium hat: Inwiefern wird kritisch berichtet und gibt es da je nach politischer Ausrichtung Unterschiede?

Ein aktuelles Beispiel wären die Parteiblogs der SPÖ mit Kontrast.at, ÖVP mit zur-Sache.at, der NEOS mit Materie.at und der FPÖ mit FPÖ-TV. Alle vier sind Onlineblogs, die vom jeweiligen Parlamentsklub herausgegeben werden.

Die jeweilige Berichterstattung setzt sich, wenig überraschend, wenig kritisch mit der eigenen Partei auseinander und übt eher Kritik an den anderen Parteien.

Zwei Beispiele, um diesen Gedanken greifbarer zu machen:

ÖVP – zur-Sache.at: „Politics & Psychoanalyse“. Martin Engelbert (ÖVP) ist aktiver Nationalratsabgeordneter und (psycho)analysiert regelmäßig in seinem Podcast die österreichische Politik. Im Mittelpunkt der Serie stehen zumeist die oppositionellen Parteien und ihr vermeintliches Fehlhandeln.

Der SPÖ-Parteiblog Kontrast.at äußert sich regelmäßig zu Themen rund um den Klimawandel und kritisiert das Verhalten der Regierung hinsichtlich des Klimaschutzes. Zum viel kritisierten Lobautunnel, einem der größten Themen in Sachen Klimaschutz in Österreich und speziell Wien der letzten Jahre, gibt es nur einen Beitrag auf der Seite. Ein Gespräch mit dem Planungsdirektor der Stadt Wien Thomas Matreiter. Die Essenz des Artikels: „Der Klimawandel ist viel vielschichtiger.“

Diese Gedanken sind natürlich nicht ident auf jedes weitere Medium zu übertragen. Viel mehr ein Anreiz, sich kritisch mit den vermittelten (politischen) Werten auseinanderzusetzen und zu erschließen, ob es eine gewisse politische Nähe gibt.

Weitergehend kann gerade wegen dieser menschlichen Dynamik ein Öffentlich Rechtlicher RundFunk (ORF) fundamental für eine neutrale und kritische Berichterstattung sein. Der ORF ist durch § 4 ORF-G gesetzlich verpflichtet, objektiv und kritisch zu berichten. Andere Medien, wie der Standard, die Presse oder der Falter verpflichten sich freiwillig zu einem ähnlichen Auftrag, aber nur der ORF ist gesetzlich gebunden, dies auch umzusetzen.

Qualität im Journalismus - Filterbubbles und Informationscluster
Qualität im Journalismus // Filter Bubbles und Informationscluster

Ein Sitzkreis zwischen Kritik, Transparenz & Recherche

Was macht Journalismus glaubwürdig? Was macht ihn gut? Eine kritische und ausführliche Auseinandersetzung mit einem Thema ist grundlegend für eine konstruktive Reportage. Dabei gibt es keine Abkürzungen, wie man zu hochwertigen journalistischen Inhalten kommt – und das ist auch gut so.

Journalismus soll so kritisch sein, wie es die etwaige Situation verlangt. Die dabei entstehende Recherche soll offen mit dem Publikum kommuniziert werden. Welche Informationen und Quellen für eine Nachricht herangezogen wurden sind wichtige Aspekte, um Vertrauen beim Publikum aufzubauen.

Dabei sollte man sich auf Seiten des Publikums nie mit weniger als einer (selbst-)kritischen Recherche begnügen. Genau so wie Journalist:innen Ansprüche an sich selbst stellen, so soll ihr Publikum die gleichen Ansprüche stellen und von ihnen nicht abweichen.

Was Social Media mit Journalismus macht

Die Möglichkeiten, die Social Media dem Journalismus grundsätzlich bietet, wirken vielversprechend. Die Medienlandschaft wird nicht mehr zu Gänze von ein paar wenigen großen Medien gestaltet, sondern jeder Mensch kann sich mit dem aktuellen Geschehen auseinandersetzen, darüber schreiben und diese Inhalte einem potentiell riesigen Publikum präsentieren.

Personen können es eigenständig in ihre Hände nehmen und eigene Reportagen gestalten. Die journalistische Welt hat sich in wenigen Jahren um ein Vielfaches vergrößert. Nachdem es früher nur Print-, Fernseh- und Hörfunkmedien gab, gibt es heutzutage zusätzlich zu den altbewährten Medienschaffenden noch tausende Personen, die sich im Internet und Social Media journalistisch betätigen – so auch wir und unser Magazin floo.media.

Qualität im Journalismus - Social Media, Menschen am Smartphone
Qualität im Journalismus // Social Media Contentflut und Filter

Jedoch sind Social Media Plattformen fast ausschließlich visuell getriebene Orte. Das bedeutet, dass lange ausführliche Texte eher weniger gut ankommen und auf den Plattformen nicht wirklich gefördert werden. Kurze, prägnante und emotionalisierte Schlagzeilen mit einem aussagekräftigen Bild im Hintergrund sind hingegen Formate, die gerne gesehen und geteilt werden. Ob es sich dabei um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema handelt oder um eine emotionalisierte, polarisierende, meinungsbehaftete Aussage, kann für unwissende Außenstehende schwer zu Erkennen sein.

Mehr zu diesem Thema und den Auswirkungen für Social Media Plattformen, wie Instagram und Co. haben wir in diesem Artikel behandelt. Schau doch mal rein 🙂

Die Möglichkeit, über Social Media Plattformen zu kommunizieren bietet im journalistischen Kontext Freiheiten, die es davor so nicht gab. Mit diesen Freiheiten kommen jedoch auch Risiken. Inhalte müssen stetig auf Gütekriterien geprüft werden.

Warum’s halt wichtig ist

Warum wir konstruktiven Journalismus in einer Demokratie brauchen ist sehr einfach: Die wichtigen Themen, die Einfluss auf unser aller Leben haben, sind meistens fad. Politik kann sehr trocken sein und einen Überblick zu behalten ist für eine Person, die sich nicht rund um die Uhr mit Nachrichten auseinandersetzt schlicht unmöglich.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“Immanuel Kant

Oder um es in einem anderen Zitat auszudrücken: „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“

Um unserer selbstauferlegten Bevormundung zu entkommen, brauchen wir konstruktiven und wahrhaftigen Journalismus. Berichterstattung, die sich kritisch mit Themen auseinandersetzt und nicht der einfachen Nachricht hinterherjagt. Transparente und gründliche Recherchen, die den Rezipient:innen klar machen, wie die Journalist:innen zu dieser Nachricht gekommen sind.

  • Journalismus vermeiden, der sich auf „He Said – She Said“ reduzieren lässt.
  • False Balancing vermeiden, da wissenschaftliche Standpunkte nicht gleichwertig Extremstandpunkten gegenübergestellt werden können.
  • Und am Wichtigsten: ein Dialog zwischen Journalist:innen und Rezipient:innen auf Augenhöhe.

Wenn eine Berichterstattung das erreicht, dann sollte jede Person Journalismus und alle dazugehörigen trockenen Themen brennend interessieren. Konstruktiver Journalismus ermöglicht es uns, auf Probleme aufmerksam zu werden und diese vielleicht sogar zu lösen. Als mündige Menschen sollten wir danach streben, nicht den Status quo beizubehalten, sondern uns mit allgegenwärtigen Problemen und Missständen, wie dem Klimawandel, Korruption oder Diskriminierung auseinanderzusetzen und diese aus der Welt zu schaffen.

Warum brauchen wir Qualitätsjournalismus

Qualitätsjournalismus hilft uns, die Welt um uns herum zu verstehen und sie kritisch hinterfragen zu können. Durch tiefe Recherchen und kritische Auseinandersetzungen mit den Themen können Missstände aufgezeigt werden. Als einzelner Mensch die Welt ohne Hilfe zu verstehen, ist schlichtweg unmöglich. Journalismus bietet uns dabei aber die nötige Hilfe, um uns zu orientieren.

Qualität im Journalismus - die allwissende Eule
Qualität im Journalismus // Allwissende Eule

Medien, die guten Journalismus machen in Österreich

Trotz des leicht pessimistischen Gefühls, das dieser Artikel möglicherweise hinterlässt, wollen wir darauf hinweisen, dass es in Österreich auch guten Journalismus gibt. Es gibt genug Personen, die sich leidenschaftlich für qualitativ hochwertige und konstruktive Berichterstattung einsetzen und diese auch umsetzen. Ein paar Beispiele für Medien, die guten Journalismus betreiben: