Femizide in Österreich

Femizide in Österreich 2021

14 Frauen wurden in Österreich seit Beginn des Jahres ermordet. Alle Täter waren dabei Partner oder Ex-Partner der Opfer. Im Durchschnitt gab es alle zwei Wochen einen Femizid in Österreich dieses Jahr. Wir blicken auf die derzeitige Situation in Österreich, welche Forderungen es gibt und was tatsächlich gemacht wird.

Dabei ist eine Sache klar – so kann es nicht weitergehen. Maßnahmen für die Prävention von Femiziden müssen beschlossen werden.

Was ist ein Femizid?

Ein Femizid bezeichnet die Tötung einer Frau oder eines Mädchens wegen ihres Geschlechts. Der Begriff, welcher schon seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts existierte, wurde in den 1970er und 1980er bekannt, als die ersten großen Studien rund um Morden an Frauen veröffentlicht wurden.

Danach entwickelten sich mehrere Ansätze rund um den Begriff Femizid — ein feministischer, soziologischer, kriminologischer, menschenrechtlicher und dekolonialer Ansatz. Am meisten verbreitet ist dabei der feministische Ansatz.

Der feministische Ansatz beschreibt eine Gesellschaft, in der Männer dominieren und wo Frauen dadurch strukturell diskriminiert und unterdrückt werden (Patriarchat). Diese Diskriminierung von Frauen führt schlussendlich zu den Femiziden.

Eine weitere populäre Unterteilung bei Femiziden ist die Unterscheidung zwischen einem intimen und familiären Femizid.
Intimer Femizid = Tötung durch einen Partner
Familiärer Femizid = Tötung durch einen männlichen Angehörigen

Wie viele Frauen werden in Österreich ermordet?

Seit Beginn des Jahres 2021 sind in Österreich 14 Frauen ermordet worden. Dabei waren alle Täter Männer und entweder Partner oder Ex-Partner der Opfer. Österreich ist zudem das einzige Land der EU, in dem mehr Frauen als Männer umgebracht werden.


In den letzten Jahren gab es immer mehr weibliche als männliche Mordopfer.
Dabei wird ein Großteil der Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner
ermordet

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Anzahl der Morde in Österreich von 2015-2020 // Quelle: Bundeskriminalamt

Eine Auflistung der jeweiligen Femizide gibt es auf der Seite der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser. Dort sind unter anderem Informationen über Datum, Ort sowie auch den groben Hergang des Mordes zu finden. Die Liste findest du hier.

Wie viel Budget hat das Frauenministerium?

Das Budget für das Frauenministerium wurde für das Jahr 2021 auf 14,65 Millionen Euro erhöht. Eine Steigerung von 20,6% im Vergleich zum Vorjahr 2020 (12,5 Millionen Euro).

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Das Budget des Frauenministeriums // Quelle: APA/ORF

Zudem wurde ein Antrag für die Erhöhung des Budgets auf 30 Mio. Euro für
Frauenangelegenheiten/Gleichstellung 2021 abgelehnt.

Zudem gab es im Sommer einen Antrag, wo gefordert wurde, dass das Budget für das Frauenministeriums im Jahr 2021 auf 30 Mio. Euro erhört werden soll. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, da die ÖVP, die Grünen sowie die FPÖ dagegen stimmten. SPÖ und NEOS stimmten andererseits für den Antrag.


Die SPÖ und NEOS stimmten für den Antrag. ÖVP, Grüne sowie FPÖ stimmten
dagegen.

Was ist der Österreichische Frauenring (ÖFR)?

Der Österreichische Frauenring (ÖFR) ist eine 1969 gegründete Dachorganisation österreichischer Frauenvereine und vertritt somit indirekt eine Million Frauen in Österreich. Die zentralen Anliegen des ÖFRs beschäftigen sich mit der Gleichstellung der Geschlechter sowie mit der Wahrung der Rechte aller Frauen.

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Alle Themen des ÖFR kann man in sieben Bereiche zusammenfassen:

Die Liste aller 45 Mitgliedsorganisationen, die der ÖFR vertritt, findest du hier.

Derzeit ist Klaudia Frieden Vorsitzende des ÖFRs.


Was fordert der Österreichische Frauenring (ÖFR)?


Der Österreichische Frauenring (ÖFR) stellt folgende Forderungen schon seit
mehreren Jahren an die Regierung:

  • Sofortige Umsetzung der gesetzlich verankerten Fallkonferenzen mit verpflichtender Einbeziehung der mit allen im Gewaltschutz tätigen Organisationen
  • Echten Gewaltschutzgipfel mit allen im Gewaltschutz tätigen Organisationen
  • Personenschutz für betroffene Frauen und Kinder von amts- und justizbekannten Männern
  • Sofortige Umsetzung der Istanbulkonvention
  • 228 Millionen Euro pro Jahr für Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik
  • Joboffensive in der Gewaltprävention durch personelle Aufstockung in allen Gewaltschutzorganisationen und Finanzierung durch die öffentliche Hand
  • Regierungskampagne gegen Gewalt und gegen frauenverachtendes Verhalten im häuslichen und öffentlichen Bereich und am Arbeitsplatz

Klaudia Frieben, Vorsitzende des ÖRF, kritisierte auch, dass bei der Maßnahmenkonferenz keine Gewaltschutzorganisationen eingeladen waren.

Wie reagiert die österreichische Regierung auf die Femizide?

Mitte Mai kündigte die österreichische Regierung ein Maßnahmenpaket für den Gewaltschutz an, welches 24,6 Millionen Euro umfasste. Dieses Maßnahmenpaket ist aber laut dem ÖFR zu wenig. Er kritisiert, dass es bis heute unklar ist, wohin die Gelder genau fließen werden.

ÖFR-Vorsitzende Klaudia Frieden sagte zudem, dass sie bezüglich des Pakets zwar zu einem runden Tisch eingeladen wurden, aber zu dem Zeitpunkt das Paket schon längt beschlossen war und keine ihrer Forderungen gehört wurden.


Was ist die Istanbul Konvention?

Das “Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von
Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt” wurde 2011 von 13 Staaten, darunter auch Österreich, in Istanbul unterzeichnet.

Unter anderem soll durch das Übereinkommen die Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen verankert sowie jegliche diskriminierenden Vorschriften abgeschafft werden.

Es soll zudem bei folgenden Themen härter durchgegriffen werden:

  • psychische Gewalt
  • körperliche Gewalt
  • sexuelle Gewalt
  • Nachstellung
  • Zwangsabtreibung
  • Zwangsheirat
  • Zwangssterilisierung
  • Verstümmelung weiblicher Genitalien


Der Evaluierungsbericht von GRISVO empfahl Österreich 2017 bezüglich der Umsetzung, den Opferschutz zu verbessern, das Budget des Frauenministeriums zu erhöhen sowie alle Punkte der Konvention schneller umzusetzen.