Urban Gardening // floomedia

Ist Urban Gardening die Lösung für nachhaltiges Leben in unseren Städten?

Zuletzt aktualisiert:

Was ist Urban Gardening eigentlich genau? 

Bei Urban Gardening wird in Städten Platz genutzt, um diesen entweder privat oder in Gemeinschaften zu bewirtschaften. So können ungenutzte Flächen für Lebensmittelproduktion und Begrünung der Stadt sinnvoll genutzt werden. 

Doch Urban Gardening ist nicht einfach nur eine nette Beschäftigung für Hobbygärtner, eine breite Stadtbewirtschaftung hat große Auswirkungen auf die gesamte Stadt. Einerseits bewirkt sie natürlich einen besseren Anblick und erhöht die Lebensqualität ihrer Bewohner*innen. Doch die Begrünung der Stadt bewirkt noch viel mehr: Durch den Anbau von Pflanzen kann auch die Luftqualität verbessert werden, denn diese produzieren Sauerstoff, kühlen die Stadt und binden Feinstaub. 

Warum ist Urban Gardening so beliebt?

Urban Gardening verbindet den grünen Trend des Umweltschutzes mit dem sozialen Aspekt der gemeinsamen Gartenarbeit. Gemeinschaftsgärten verschönern nicht nur die Stadt, sondern bringen auch die Bewohner*innen einander näher.

Zudem leistet es einen aktiven Beitrag gegen den Klimawandel, was einen immer wichtigeren Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommt. Doch auch für Regionen, die den Luxus des Trendverfolgens nicht haben, kann Urban Gardening wichtig sein und eine Möglichkeit der Lebensmittelherstellung bedeuten. 2008 startete Solidarités, eine Hilfsorganisation mit dem Ziel, Menschen in Konflikt- und Katastrophengebieten zu helfen, ein Projekt, bei welchem in einem Slum in Nairobi Lebensmittel in Säcken angepflanzt wurden.

Urban Gardening - Stadtpark
Shared Spaces in Städten besser nutzen

Welche Probleme kann Urban Gardening lösen? 

  • Lokaler Lebensmittelanbau und somit durch geringere Transporte weniger CO2
  • Verbesserung der Luftqualität durch Sauerstoffproduktion der Pflanzen
  • Verbesserung der Lebensqualität durch Gärtnertätigkeiten
  • Lebensmittelknappheit entgegenwirken
  • Alternativmöglichkeit zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln in armen Ländern

In Städten ist Platzmangel für Grünflächen eines der größten Probleme. Lösungsvorschläge der Stadt unterscheiden sich dabei oft von den Wünschen der Bewohner*innen. Urban Gardening vereinigt die Wünsche der Stadtverwaltung nach selbsterhaltenden Grünflächen und die der Bewohner*innen nach Selbstgestaltungsmöglichkeiten. 

Warum braucht es Urban Gardening in Europa?

Europa importiert immer noch viele Lebensmittel aus Ländern, die bereits jetzt aktiv von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Dürren und Überflutungen sorgen für Verknappung der Lebensmittel und in einigen Jahren könnte dort der Export in heutigen Mengen nicht mehr möglich sein. 

Durch das urbane Gärtnern kann der Anbau von Lebensmitteln auch in Städte integriert werden, um so Unabhängigkeit zu schaffen und die lokale Produktion von Lebensmitteln zu fördern. Blickend auf die Lebensmittelverknappung ist es außerdem empfehlenswert auch in europäischen Ländern dementsprechend zu reagieren und sich auf regionalen Anbau zu fokussieren. 

Urban Gardening - Anbaupflanze
Anbau verschiedener Pflanzen in Städten

Wie schaut es mit der Umsetzung aus?

Besonders Länder aus Mittel- und Nordeuropa wie Österreich, Deutschland und die Niederlande haben bereits seit einigen Jahren verschiedene Urban Gardening Projekte in ihren Großstädten. Wenn diese Projekte in der gleichen Geschwindigkeit weiterexpandieren, dann vermag es eine vorstellbare Zukunft für die Stadtgärtnerei zu geben. 

Es gibt neben Projekten wie Urban Gardening, auch große visionäre Ideen. Beispielsweise die der Forest City, eine Stadt im Wald, in Malaysia. Doch ob sich solche Ideen wirklich realistisch umsetzen lassen, ist fraglich. Vor allem ist zu hinterfragen, ob diese Projekte auch großflächiges Umsetzungspotential haben, oder Einzelfälle bleiben. 

Kann Urban Gardening die Zukunft sein?

Wie bei (fast) allem würden wir sagen: Jein. Ja, Urban Gardening ist eine Möglichkeit, um Städte klimafreundlicher zu machen und Lebensmittel lokal anzubauen. Doch Urban Gardening alleine reicht sicherlich nicht aus, um den signifikanten Unterschied im Kampf gegen den Klimawandel zu machen. 

Urban Gardening - Shanghai Stadtbegrünung
Moderne Stadtbegrünung in Shanghai

Großflächige Projekte der Baubotanik können dagegen das Stadtklima ändern und einen echten Einfluss auf die Lebensqualität ihrer Bewohner haben. Außerdem reichen die Flächen in keiner Stadt aus, um wirklich alle ihrer Bewohner*innen mit Lebensmitteln zu versorgen. Es bedarf also weiterhin einer Förderung der herkömmlichen, regionalen (Bio-)Landwirtschaft, denn in dieser liegt die langfristige Zukunft. 

Wie kann ich selbst in Wien mit Urban Gardening starten?

In Wien gibt es, so wie in vielen anderen Städten, Plätze, welche bereits fürs urbane Gärtnern zur Verfügung gestellt werden. Diese können gepachtet und bewirtschaftet werden. Wem die finanziellen Mittel fehlen, kann sich an lokale Initiativen oder auch Privatpersonen wenden. Auf der Webseite gartenpolylog.org wird außerdem eine Karte zur Verfügung gestellt, auf welcher erkennbar ist, wo aktuelle Urban Gardening Projekte zu finden sind.