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The Great Green Wall – Wie steht es um Afrikas Mammutprojekt?

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The Great Green Wall – ein gigantischer Waldstreifen, der sich quer durch Afrika ziehen soll, um der Wüstenausbreitung entgegenzuwirken. Ein Symbol des Friedens, ein Weltwunder, die Lösung gegen Hungersnöte in der Region – klingt ambitioniert, aber wie sieht es mit dem Projekt momentan aus? Das schauen wir uns heute an:

Was ist das Great Green Wall Project?

Das Great Green Wall Project ist eine Initiative der Afrikanischen Union, bei der mehr als 20 Länder beteiligt sind, um der Wüstenausbreitung in der Sahelzone entgegenzuwirken.

Was ist die Sahelzone?

Die Sahelzone ist eine Übergangszone zwischen der Sahara im Norden Afrikas und der Feuchtsavanne im Süden. Die Sahelzone erstreckt sich quer durch Afrika über Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad, Sudan und Eritrea.

Great Green Wall - Karte der Sahelzone in Afrika
Great Green Wall Project // Sahelzone – Karte ©GoogleMaps – Kartendaten

Der Landschaftsstreifen soll sich durch die Sahelzone von Senegal (Westen) bis Dschibuti (Osten) erstrecken. Insgesamt soll dieser knapp 8000km lang und 15km breit werden.

Bis 2030 sollen so 100 Millionen Hektar Land wieder bewirtschaftbar gemacht werden, 100 Millionen Tonnen CO2 gebunden werden und insgesamt 10 Millionen Jobs in der Region geschaffen werden.

Wie ist das Projekt entstanden?

2007 wurde das Projekt von der Afrikanischen Union vorgestellt. Die Idee für das Unterfangen gab es allerdings schon seit den 1970ern.

1970er

Bereits in den 1970er Jahren machten sich die Auswirkungen der wachsenden Wüste bemerkbar. Die grüne Savanne verwandelte sich nach und nach in eine staubige Trockenlandschaft – damit einhergehend verschlechterte sich auch der Boden in der Sahelzone, was große Teile der Region immer schlechter bewirtschaftbar machte.

Dürren, Hungersnöte und Wasserknappheit waren die Folge. Eine steigende Bevölkerungszahl, immer weniger natürliche Ressourcen und wiederkehrende Konflikte veranlassten viele Menschen, aus der Region auszuwandern.

1980er

Aufgrund der immer schlechter werdenden Umstände begannen in den 80er-Jahren politische Visionär*innen und Gemeindeführer*innen nach Lösungen zu suchen. Die Idee einer großen grünen Mauer, die sich quer über den Kontinent erstrecken soll, nahm Fahrt auf.

Start der Great Green Wall

2007 schlossen sich 11 Länder der Afrikanischen Union zusammen, um die Great Green Wall zu verwirklichen. Mittlerweile ist die Zahl der teilnehmenden Länder auf über 20 angestiegen.

Btw: die ersten 11 Länder waren: Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Sudan, Tschad, Niger, Nigeria, Mali, Burkina Faso, Mauretanien und Senegal – alles Länder in der Sahelzone.

Warum ist das Projekt wichtig?

Die Sahelzone gehört zu den heißesten Regionen weltweit. Die voranschreitende Wüstenausbreitung durch den Klimawandel hat schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft in den betroffenen Ländern.

Lebensräume werden kleiner und die Lebensqualität für Millionen von Menschen verschlechtert sich. Auch für das Weltklima ist die Sahelzone ein wichtiger Kipppunkt. Durch die Ausbreitung der Wüste wird die fruchtbare grüne Zone des Äquators immer kleiner – mit klimatischen Folgen für alle.

Great Green Wall
Wüstenausbreitung // The Great Green Wall

Ziele des Great Green Wall Projects?

Die Initiative verfolgt sowohl ökologische als auch soziale Ziele, um die Wüstenausbreitung in der Region einzudämmen. Hauptziel ist die Aufforstung der Region und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zur besseren Lebensqualität.

Die Ziele der Initiative umfassen:

  • Bewirtschaftung von Land
  • Schaffung neuer Arbeitsplätze
  • Stärkung der wirtschaftlichen Umstände
  • Ernährungssicherheit
  • Klimabeständigkeit
  • Eindämmung der Ausbreitung der Wüste
  • Senkung des CO2 Ausstoßes durch die Bäume
  • Symbol des Friedens

Im Zentrum steht die Verbesserung der Bodenqualität, damit die Böden wieder bewirtschaftet werden können. Mithilfe der gepflanzten Bäume soll eine CO2-Senkung erreicht werden, die den Klimawandel abschwächt – das ist vor allem in der Sahelzone wichtig, da dort die Temperaturen weltweit am schnellsten ansteigen. Die Wiederherstellung von Wasserquellen soll Dürren entgegenwirken.

Zusätzlich bietet das aufgewertete Land neben neuem Lebensraum für Wildtiere, die es früher in der Region gab, auch Millionen Arbeitsplätze für die Bepflanzung oder den Bau von Bewässerungssystemen.

Erstmals arbeiten Menschen aus verschiedensten Ländern in Afrika auf ein so großes gemeinsames Ziel hin. Die Mauer gilt als Symbol des Friedens, der Harmonie und Zusammenarbeit. Eine internationale Kampagne „Growing a World Wonder“ wurde zu diesem Zweck gestartet. Dennoch plagen Konflikte und Terroranschläge den Fortschritt des Projekts.

Great Green Wall
Arbeitende Frauen // ©Great Green Wall

Wie läuft das Projekt?

Die Initiative ist mittlerweile 15 Jahre alt. 2019 hieß es, dass bereits 15% der Bäume gepflanzt worden sind, dennoch scheint das Projekt in den letzten Jahren aufgrund von Konflikten, fehlendem Geld oder der schieren Größe des Unterfangens ins Stocken geraten zu sein.

Momentaner Stand des Great Green Wall Projects?

Nach dem medialen Höhenflug der Initiative vor ein paar Jahren ist es still um das Projekt geworden. Bis heute wurden nur vier Millionen Hektar Land wieder aufgeforstet (etwa 4% der vorgesehenen Fläche). Dennoch bleibt der Koordinator der Initiative optimistisch.

Es begann als Umweltprojekt, aber die Dynamik der Region hat uns dazu gebracht, über den ökologischen Aspekt des Projekts hinaus zu blicken

Elvis Tangem, Koordinator der Initiative (Quelle: weather.com)

Konfliktlösung, Förderung von Jugend und die Stärkung der Rolle der Frauen seien konkrete Schritte, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Es ginge darum eine Gemeinschaft und Identität zu schaffen und zu zeigen was alles möglich ist.

Warum funktioniert das Great Green Wall Project nicht?

Abgesehen von den fehlenden finanziellen Mitteln haben beteiligte Länder mit Terror und Konflikten zu kämpfen.

Terroristische Angriffe in den betroffenen Regionen haben die Menschen auseinandergetrieben

Doulkom, Koordinator der Initiative in Burkina Faso (Quelle: weather.com)

Das ist nicht nur in Burkina Faso so, weitere Länder wie Niger, Mali, Nigeria und die Republik Tschad berichten von Sicherheitsproblemen. Zusätzlich sorgen knappe finanzielle Mittel und halbherziger politischer Rückhalt für weitere Probleme innerhalb des Projekts.

Aufgrund seiner Größe ist das Projekt stark auf die Eigeninitiative von Menschen in den jeweiligen Regionen angewiesen. Menschen, die unterschiedlich stark dazu bereit sind, Zeit und Geld für das Projekt zu opfern.

Erfolge und Meilensteine der Great Green Wall

Die Great Green Wall ist ins Stocken geraten. Seit 2007 wurden etwa 4 Millionen Hektar Land aufgeforstet. 15% der Great Green Wall sind schon gepflanzt worden, aber die Ziele bis 2030 zu erreichen scheint unrealistisch.

  • Jährliche Bepflanzung von etwa 1,9 Millionen Hektar
  • 28 Millionen Hektar wieder benutzbares Land
  • Teilweise Wiederherstellung der Lebensmittelsicherheit

Vor allem im Osten konnten in den letzten Jahren Erfolge verzeichnet werden. Eritrea, Äthiopien, der Sudan und Niger werden für ihre verstärkten Anstrengungen gelobt.

Zukunftspläne der Great Green Wall

2021 wurde auf dem „One Planet“ – Gipfel der „Great Green Wall Accelerator“ ins Leben gerufen. So konnten weitere 4 Milliarden US-Dollar für das Projekt lukriert werden.

Für die Erreichung des Ziels, nämlich bis 2030 100 Millionen Hektar Bäume zu pflanzen, wird die Zeit jedoch knapp. Jährlich müssten mehrere Millionen Hektar zusätzlich aufgeforstet werden, um das Ziel zu erreichen.

Great Green Wall
Mann und Mädchen // ©Great Green Wall

Was ist die Kritik am Great Green Wall Project?

Neben seinen Erfolgen wird auch immer wieder Kritik am Great Green Wall Project geäußert. So sei

  • die Wüste kein „Problem“, das gelöst werden muss
  • die Sahelzone gar nicht von Sand überschwemmt
  • die Nutzung bereits bewirtschafteter Flächen problematisch

Die Initiative betrachtet die Ausbreitung der Wüste als zu lösendes Problem. Jedoch sei die Wüste ein wertvolles Ökosystem, das erdgeschichtlich immer in seiner Größe variiert hat.

Kritiker*innen betonen ebenfalls, dass die Sahelzone nicht, wie von vielen angenommen, mit Sand „überschwemmt“ werde. Zwar konnten wissenschaftlich kleinere lokale Verschiebungen festgestellt werden, nicht aber eine großflächigere Ausbreitung. Das zu lösende Problem sei daher nicht vorhanden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Great Green Wall Project bereits besiedelte Flächen ebenfalls miteinbezieht. Kritiker*innen befürchten, dass ein Teil der bereits bestehenden Vieh- und Landwirtschaft durch das Projekt beeinträchtigt werden könnte.

Im Rahmen des 2021 vorgestellten „Great Green Wall Accelerator„-Programms ging die Afrikanische Union auf die Kritikpunkte ein und so ist heute von einem Mosaik und keiner Mauer die Rede – auch, weil das dem momentanen Stand der Bepflanzung besser entspricht. Und der Fokus des Projekts habe sich vom reinen Pflanzen von Bäumen auf die Stärkung von Gemeinschaften und Identitäten in einzelnen Regionen verlagert.

Fazit

Nach 15 Jahren bleibt das Great Green Wall Project nach wie vor ein unglaublich ambitioniertes Unterfangen. Ob es der Afrikanischen Union und den beteiligten Ländern gelingen wird, ein weiteres Weltwunder zu errichten, bleibt abzuwarten, denn auch wenn bereits 15% gepflanzt worden sind, müssen einige Probleme gelöst werden und die Bepflanzung deutlich schneller werden, damit das Ziel bis 2030 erreicht werden kann.

Hier geht es zur Webseite der Initiative: The Great Green Wall

Weitere coole Projekte und Initiativen gibt’s bei uns im Wiki – oder du schaust gleich bei unserem Artikel über „The Ocean Cleanup“ vorbei: sehr zu empfehlen! 🙂